Erfahre hier alles, was du über diese
moderne Schutz-Alternative wissen musst.

Was ist Safer Sex?

Was bedeutet Safer Sex im Jahre 2018? Hat das Kondom ausgedient? Keineswegs, denn es bietet nach wie vor einen zuverlässigen Schutz gegen HIV. Neu ist, dass es neben dem Kondom weitere Schutzmöglichkeiten gibt. Diese sind weder besser noch schlechter als das Kondom, sie sind einfach anders. Dadurch kann jeder die Schutzmöglichkeit wählen, die am besten zu ihm passt. Schlussendlich ist es egal, wie du dich vor HIV schützt. Sei es mit Kondom, mit PrEP oder Treatment as Prevention. Jede Schutzmöglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile, aber jede ist ok für den, der sie anwendet. Schlussendlich zählt, dass du dich und deine Partner schützt. Merke: ein zuverlässiger Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) bietet weder das Kondom noch die PrEP. Wenn du sexuell aktiv bist und wechselnde Partner hast, lass dich regelmässig auf die gängigsten STI testen und falls nötig behandeln. 

Was ist PrEP?

PrEP steht kurz für Prä-Expositions-Prophylaxe:

  • Prä: vor
  • Exposition: der potenzielle Kontakt mit dem HI-Virus
  • Prophylaxe: präventive Behandlung, um eine Infektion zu verhindern

Dabei handelt es sich um ein Medikament, mit dem sich HIV-negative Männer, welche einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt sind, vor HIV schützten können. Es besteht aus einer Tablette mit den Wirkstoffen Tenofovir TDF und Emtricitabin FTC, wie es im Medikament Truvada © oder einem entsprechenden Generikum vorkommt. Richtig eingenommen, schützen das Medikament mindestens so zuverlässig vor HIV wie ein Kondom. Die PrEP schützt aber nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie zum Beispiel Tripper, Chlamydien, Syphilis oder Hepatitis. Gegen Hepatitis A und B kannst du dich impfen lassen. Für andere STI heisst es: regelmässiges testen, unabhängig davon, ob du Symptome hast oder nicht. Dies gilt übrigens auch für Kondombenutzer, denn Kondome schützten nur bedingt vor STI. PrEP-Benutzer handeln diesbezüglich verantwortungsvoll, weil sie in engmaschigen Kontrollen eingebunden sind, wo sie unter anderem auch auf STI getestet und falls nötig behandelt werden. Wer unter ärztlicher Begleitung eine PrEP einnimmt und ohne Kondom Analverkehr hat, praktiziert Safer Sex.

Ist PrEP etwas für mich?

PrEP ist eine zusätzliche Schutzmöglichkeit für HIV-negative Männer, die Schwierigkeiten haben, beim Sex Kondome zu benutzen. Erektionsprobleme beim Überziehen eines Kondoms, eine neue Liebe oder Alkohol- und Drogenkonsum (zum Beispiel bei Chemsex-Partys) können Gründe für diese Schwierigkeiten sein. Manchmal wird das Kondom in der Hitze des Gefechts auch einfach vergessen. Die PrEP bietet diesen Männern die Möglichkeit, sich auch ohne Kondom vor HIV zu schützen und sicher zu fühlen. Sie kann eine grosse psychische und physische Erleichterung sein und dadurch ein lustvolles und freies Sexualleben fördern. Wer PrEP korrekt einnimmt, ist zuverlässig geschützt vor HIV und muss sich nicht um den Serostatus des Sexpartners kümmern. Der Schutz wirkt auch für die Sexpartner von PrEP-Usern. Allerdings gilt: nur wenn du sicher weisst, dass dein Sexpartner PrEP korrekt einnimmt, gehst beim Analverkehr ohne Kondom kein HIV-Risiko ein.  Darauf kannst du dich nicht immer verlassen. Wenn du auf das Kondom verzichten willst, ist es daher besser, selber Verantwortung zu übernehmen und dich für eine PrEP zu entscheiden. Die PrEP macht vor allem für Männer mit vielen Sexpartnern Sinn, die viele verschiedene Sexpartner haben. Für serodiskordante Paare wird die PrEP nicht empfohlen.

Wie wirkt PrEP?

Damit sich das HI-Virus im Körper vermehren kann, muss es seine Erbsubstanz RNA ständig in die Erbinformation menschlicher Zellen (DNA) kopieren. Dazu muss es seine Erbinformation zunächst in die menschliche Form umschreiben. Das erfolgt mit einem von HIV mitgebrachten Werkzeug: dem Enzym Reverse Transkriptase. Dieser Vorgang wird nun durch die PrEP-Wirkstoffe blockiert, indem sie falsche Bausteine in die DNA einbauen. Das führt zu einem Abbruch der Virusvermehrung. Das HI-Virus kann seine Erbsubstanz nicht mehr in die menschlichen Zellen einbauen und verschwindet aus dem Körper.

Wie nehme ich PrEP ein?

Aktuell sind zwei Anwendungen möglich:

Dauer-PrEP: 

Die Einnahme beginnt sieben Tage vor dem ersten Sex ohne Kondom. Dann wird das Medikament über einen bestimmten Zeitraum täglich eingenommen. Wenn klar ist, dass die PrEP beendet wird, müssen die Medikamente weitere sieben Tage eingenommen werden, bevor sie abgesetzt werden können. Die Dauer der Einnahme (abgesehen von den ersten und letzten sieben Tagen des Zyklus) bestimmt jeder selber. Dies kann eine Zeit besonders hoher sexueller Aktivität, ein längerer Urlaub oder lebenslang sein. 

OnDemand-PrEP: 

Ein Ausgang in Zürich oder Lausanne? Ein Wochenende in Berlin, Barcelona oder Paris? Dann ist die OnDemand-PrEP die Richtige für dich. 24 bis zwei Stunden vor dem ersten Sex zwei Tabletten einnehmen, danach täglich zur selben Zeit (+/- 2 Stunden) eine Tablette. Nach dem letzten Sex nochmals zwei Tage lang je eine Tablette. Die OnDemand-PrEP eignet sich zum Beispiel bei einem Wochenendausflug, bei dem es zu Sex kommen wird. 

Achtung:

Manchmal können Parties länger als 24 Stunden dauern oder bei einer Chem-Sex-Party enden. Unter Einfluss von Alkohol und Drogen ist es nicht immer einfach, sich an die korrekte Einnahme zu halten oder zu erinnern. In diesem Fall macht eine Dauer-PrEP  mehr Sinn, da so der Medikamentenspiegel im Blut höher ist und konstant bleibt. Wenn du unsicher bist, lass dich beraten. Die Berater und Ärzte im Checkpoint helfen dir gerne.

Ist PrEP sicher?

Sowohl die Ipergay-Studie (Frankreich/Canada) als auch die PROUD-Studie (Grossbritannien) kamen bei der PrEP auf eine Wirksamkeitsrate von 86%. Was bedeutet das genau? Der Wert von 86% gibt hier den Durchschnittswert an, wie gut ein Präventionswerkzeug zur Reduzierung von Übertragungen in einer Gruppe funktioniert. In beiden Studien wurde keine der Studienteilnehmer, die PrEP vorschriftsgemäss einnahmen, HIV-positiv. Dies zeigt, dass der Schutz von PrEP nahezu bei 100% liegt, wenn eine individuelle Person die Medikamente wie vorgeschrieben einnimmt.

Wie und wo kriege ich PrEP?

Vor Beginn einer PrEP muss eine ärztliche Untersuchung stattfinden, am besten bei einem spezialisierten Arzt oder einer Praxis, zum Beispiel in einem Checkpoint. Bei dieser Untersuchung werden STI-Tests durchgeführt, Blut- und Nierenwerten kontrolliert und der HIV-Status festgestellt. Letzteres ist wichtig, weil eine PrEP bei (unwissentlich) HIV-positiven Männern nicht ausreichen würde, um die Virenlast zu senken und es bestände die Gefahr, dass andere Personen infiziert und Resistenzen entwickelt werden. Das würde bedeuten, dass gewisse Medikamente dann nicht mehr gegen die HIV-Infektion wirken. Wenn alle Werte in Ordnung sind, kann mit der PrEP begonnen werden. Danach werden die Werte in regelmässigen Abständen von drei Monaten überprüft. Dabei werden auch die wichtigsten STIs getestet, unabhängig davon, ob Symptome vorhanden sind oder nicht. Die Tabletten sind in der Schweiz relativ teuer erhältlich. Als Alternative bleibt der Bezug über das Internet. Auf keinen Fall solltest du PrEP ohne medizinische Kontrolle einnehmen! Lass dich von den Spezialisten im Checkpoint oder einem spezialisierten Arzt beraten. Die Arztkosten und Untersuchungen sind durch die Krankenkasse-Grundversicherung gedeckt. Die Kosten der PrEP-Medikamente werden jedoch nicht übernommen.  Adressen von auf PrEP spezialisierten Ärzten und Praxen findest du hier.

Adressen für die Bestellung von PrEP-Medikamenten im Ausland (mit ärztlichem Rezept für den Eigengebrauch von 30 Tagen erlaubt):

Ist es legal, PrEP-Medikamente online zu kaufen?

Das PrEP-Medikament Truvada (und deren Generika) hat zwei von drei Wirkstoffen, welches in der Schweiz für die Behandlung von HIV zugelassen ist. Für PrEP ist Truvada nicht zugelassen, kann aber von Ärzten im sogenannten «Off Label Use» verschrieben werden. Unter «Off Label Use» eines Arzneimittels versteht man die Anwendung eines zugelassenen verwendungsfertigen Arzneimittels ausserhalb des in der Zulassung genehmigten Gebrauchs, z. B. bezüglich Indikationen, Anwendungsmöglichkeiten, Dosierung, Art der Anwendung oder die Anwendung selbst auf bestimmte Patientengruppen. Das heisst, das Medikament kann für einen Zweck verschrieben werden, für welches es eigentlich nicht gedacht ist, wenn die Wirksamkeit erwiesen ist. Mit einem Rezept vom Arzt ist es erlaubt, die Medikamente im Internet zu bestellen. Swissmedic erlaubt die Einfuhr von Medikamenten sowohl per Post wie auch im Reisegepäck für den Eigengebrauch für eine Laufzeit von einem Monat. Das entspricht 30 Tabletten. Empfehlungen zum Off Label Use von Arztneimittel.